Werden Coverdesigner dein Buch lesen?
Ich würde dir hier gern eine positivere Antwort geben, aber die Wahrheit ist: Wahrscheinlich nicht.
Autoren haben oft die Vorstellung, dass Coverdesigner das Buch zuallererst lesen und dann dazu passend ein Cover gestalten. Aber mal ganz ehrlich: Was denkst du, wie viel ein Cover kostet, wenn zuerst mal 20 Stunden oder mehr investiert werden müssen, um ein Buch zu lesen und zu analysieren? Man kann schlecht von einem Coverdesigner erwarten, dermaßen viele Stunden seiner Freizeit zu investieren, nur um ein passendes Cover zu gestalten.
Würdest du das in deinem Job machen? Wahrscheinlich nicht.
So funktioniert es wirklich:
Um ein Buchcover zu gestalten, brauchen Coverdesigner die Geschichte gar nicht zu kennen – zumindest nicht jede einzelne Seite. In der Regel reicht eine aussagekräftige Zusammenfassung und im besten Fall das vollständige Exposé mit Zielgruppe, Einordnung und den wichtigsten Randpunkten.
Daraus können wir die wichtigsten Informationen filtern, um ein Buchcover zu gestalten, das deine Zielgruppe anspricht.
Und wie ist es mit Belegexemplaren für Coverdesigner?
Als ich angefangen habe, Buchcover zu gestalten, hab ich noch versucht, jedes Belegexemplar zu lesen. Das habe ich aber aus verschiedenen Gründen aufgegeben – und ich denke, den meisten Designern geht es da ganz ähnlich.
Also ja: Als Coverdesigner lese ich die wenigsten der Belegexemplare. Warum sie dennoch Teil des Kaufpreises sind? Zur Qualitätskontrolle und zum Aufbau des Portfolios. Es ist mir wichtig, immer zu kontrollieren, ob meine Arbeiten auch die richtige Qualität haben, wenn sie gedruckt werden. So kann man ggf. Anpassungen vornehmen, sollte doch mal etwas schief laufen. Außerdem kann ich meine Kunden über die Qualität der verschiedenen Druckereien beraten.
Und warum habe ich jetzt aufgehört, die Bücher zu lesen?
1 – Es wurden zu viele Bücher in zu kurzer Zeit.
2 – Durch meine Arbeit als Lektorin und Autorin lese ich die ganze Zeit während meiner Arbeit. Dadurch lese ich kaum noch „zum Spaß“. Um all die Bücher in meinem Regal zu lesen, fehlt mir leider die Zeit – auch wenn es oft sooo verlockend ist. Am Ende bin ich mehr ein Buchsammler als -leser, obwohl ich das Lesen liebe.
3 – Was wahrscheinlich niemand hören möchte: Einige der Bücher waren einfach nicht so richtig … gut. (Oje, das tut mir sogar weh zu schreiben.)
Anfangs, als meine Cover noch richtig günstig waren, habe ich damit auch „günstige“ Kunden angezogen. Also solche, die kein Interesse an Lektorat und Korrektur hatten. Das hat man dann auch am Text gemerkt.
Ich habe meine Arbeiten zum ganz, ganz kleinen Geld angeboten und dadurch natürlich alle möglichen Arten von Geschichten und Autoren angezogen. Ich möchte nicht die Geschichte an sich kritisieren, sondern eher die Umsetzung. Man merkt bei einem Buch einfach, wenn an allen Ecken gespart wird. So etwa, wenn sich die Fehler pro Seite zu stark häufen oder der Buchsatz einfach ein absolutes Chaos ist und das Lesen dadurch keinen Spaß mehr macht. Das kommt leider sehr oft vor.
Außerdem: Wenn ich ein Buch einer Kundin lese und darin auf eine Menge Fehler oder Unstimmigkeiten stoße, bin ich stets zwiegespalten: Soll ich es ansprechen oder doch besser verschweigen?
👉 Wenn du ein Buch voller Fehler lesen würdest, würdest du Autor/ Verlag dann darauf hinweisen oder doch lieber schweigen? Verrate es mir in den Kommentaren!
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